****** Zwei Alben lang hatten die Wailers (Bob Marley, Peter Tosh und Bunny Livingston aka Bunny Wailer) den Reggae von Jamaika aus erstmals in die Welt getragen. Mit Songs wie GET UP, STAND UP oder I SHOT THE SHERIFF wurde weltweit Notiz genommen von einer Musik, die es bislang (fast) nur auf dieser Insel in der Karibik die erst seit 1962 ihre Unabhängigkeit besaß.<br>Das wollte Labelchef und Produzent Chris Blackwell natürlich nutzen. Die Gruppe um Bob Marley sollte den internationalen Markt durch einen westlicheren Sound und entsprechende Tourneen im Ausland für sich erobern. Das führte zum Bruch der Wailers, da weder Peter Tosh und schon gar nicht Bunny Wailer bereits waren in Babylon aufzutreten. Auch wollten sie ihren Sound nicht an andere Märkte anpassen.<br>Einzig Bob Marley erklärte sich dazu bereit.<br>Von seiner Begleitband blieben die seit 1970 mitspielenden Barrett Brüder dabei. Tosh und Livingston wurden durch Al Anderson und Bernard Touter Harvey ersetzt. Vergessen wir aber auch nicht den Backgroundchor der I'Threes. Beim Sound, es wurde immer noch in Kingston Jamaika produziert, wurde vor allem Bass und Keyboards zurückgefahren. Im originalen Reggaesound waren das Schlagzeug, der Bass und die Keyboards die bestimmenden Elemente. Mit Natty Dead wurde die Gitarre prominenter eingesetzt.<br>Textlich versuchte man den Worten die frühere Schärfe zu nehmen. Es wurde nicht mehr auf 400 Jahre Sklaverei hingewiesen. Haile Selassie I wurde nicht mehr als Gottheit gepriesen und der Genuss von Cannabis wurde gar nicht erst erwähnt.<br>Trotzdem hatte Natty Dread noch eine hohe Relevanz im Ton. Der Sound war schlicht umwerfend und packte den Zuhörer von der ersten Sekunde an. Oder nie.<br>Marleys Texte handelten noch immer von Rassismus, sozialer Ungerechtigkeit und von der heilenden Kraft des Reggae.<br>Und so gelang es ihm, selbst mit einer gewissen Erneuerung sich nicht zu verleugnen auch wenn ihm das einige Leute in seiner Heimat vorgeworfen hatten und sowohl auf der Insel als auch im Ausland zu überzeugen.Natty Dread darf deshalb zu Recht als Katapult und kaum überzubewertendes Album für die unglaubliche Karriere des Robert Nesta Marley gelten. |